29.10.2011

Eine Debatte die keine sein sollte: -Meine Meinung zu Kreationismus und anderen Kuriositäten

Sich in der Debatte zum Kreationismus zu positionieren ist in meinen Augen unglaublich lästig, doch leider lässt sich dies heutzutage kaum vermeiden. Vor allem dann nicht, wenn man versucht einen Blog zu schreiben, der sich im weiteren Sinne mit der Evolution des Menschen beschäftigt.

Ich habe mich vor zwei Jahren relativ kurz zu diesem Thema geäußert doch habe ich mich bislang davor gescheut, einen kompletten Post zu diesem Thema zu schreiben. Der Hauptgrund hierfür ist, dass ich mir persönlich ein bisschen die Kompetenz abspreche, wirklich fundiert über dieses Thema schreiben zu können. Nun habe ich letztes Wochenende eine Email von einem Leser bekommen, die mich jetzt leider doch dazu zwingt, meinen Standpunkt etwas mehr zu verdeutlichen.
Ich will nicht wirklich auf die Mail selber, oder auf die (ziemlich kurze) Debatte die ich mit dem Absender führte eingehen. Vielmehr möchte ich darstellen, warum ich persönlich von der Allgemeinen Richtigkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse überzeugt bin und warum es meiner Meinung nach nicht möglich ist, Wissenschaft und Religion miteinander zu vermengen. Das ganze stellt natürlich nur meine Meinung zu dem ganzen Thema dar und deshalb kann sie nicht stellvertretend für die gesamte Wissenschaft gelten. Deshalb kann es also gut sein, dass ich einige Aspekte vielleicht auch etwas unvollständig darstelle.


Ich werde meine Argumentation in drei Teile aufgliedern:


1. Warum Wissenschaft und Religion nichts miteinander zu tun haben


2. Wieso ich der Meinung bin, dass Wissenschaft verlässliche Erkenntnis produziert


3. Was hat das ganze mit der Kreationismusdebatte zu tun?


Beginnen wir gleich mit dem ersten Teil:

1. Warum Wissenschaft und Religion nichts miteinander zu tun haben
Den ersten Aspekt kann man auf zweierlei Art und Weise belegen. Zum einen können wir uns das ganze aus rein wissenschaftstheoretischer Sicht betrachten.
Um dies zu tun, müssen wir die Frage beantworten, was Gott, oder ein göttliches Wesen eigentlich ist. Hier kann man sicherlich wieder enorm viel debattieren, aber um die Sache möglichst einfach zu gestalten, halten wir einfach fest, dass ein göttliches Wesen eine allmächtige Entität ist die sich unserer direkten Wahrnehmung entzieht.
Die zweite Prämisse begründet sich praktisch aus der ersten, denn ein allmächtiges Wesen kontrolliert alle Aspekte unseres Seins, auch die die wir nicht wahrnehmen können. Wenn wir jetzt versuchen wollen die Welt wissenschaftlich erklären zu wollen, müssen wir nach dem Falszifikationsprinzip vorgehen (warum habe ich hier erklärt), denn nur so können wir wirklich sichere Erkenntnisse über die Welt gewinnen. Wenn wir jetzt aber versuchen wollen Geschehnisse in der Welt durch das wirken eines allmächtigen Wesens dessen Wirken wir nicht feststellen können zu erklären, so verlassen wir den Weg gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnis. Denn wie will ich dieses Wirken herausfinden, wenn es nicht möglich ist?


Naturwissenschaften beschäftigen sich mit dem Bereich der Welt, der für unsere Wahrnehmung zugänglich ist und versucht für diesen Bereich Gesetze und Regeln zu finden. Die Frage ob es ein allmächtiges Wesen gibt, dass hinter diesen Gesetzen steht und das uns möglicherweise erschaffen hat, kann sie gar nicht beantworten, weil ihr dazu das Rüstzeug fehlt. Deshalb scheitern auch jegliche Versuche Gott mit wissenschaftliche Argumenten zu widerlegen, genauso wie Versuche Scheitern seine Existenz bzw. sein Wirken (was z.B. das Intelligent Design versucht) mit diesen Methoden zu beweisen.


In diesem Sinne kann man etwas plakativ formulieren:
„Gott ist in der Naturwissenschaft egal.“


Das heißt allerdings nicht, dass man, nur weil man Naturwissenschaftler ist, zum Atheisten wird. Die Naturwissenschaften kann nur keine Aussagen über die Existenz Gottes treffen und ist deshalb für religiöse Glaubensfragen vollkommen irrelevant. Wer also an Gott glaubt, kann dies gerne tun, so lange er nicht meint versuchen zu müssen religiöse Argumente in die Naturwissenschaften hineintragen zu wollen. Und wenn er dies tut, so sind seine Argumente von vorneherein zum Scheitern verurteilt, weil sie logisch falsch sind.


Kommen wir nun zu Punkt 2.

2. Wieso ich der Meinung bin, dass Wissenschaft verlässliche Erkenntnis produziert
Dieser Punkt ist vor allem deshalb wichtig, weil viele Personen, die wissenschaftlichen Erklärungsmodellen kritisch gegenüber stehen immer wieder auf bestimmte methodische bzw. theoretische Probleme hinweisen, um ihren eigenen Standpunkt, dass das alles ja ohnehin nicht so ganz stimmen kann, untermauern zu wollen.
Jedes Erklärungsmodell unserer Welt, ob es nun naturwissenschaftlich, oder metaphysisch ist, benötigt bestimmte Grundannahmen über den Aufbau der Welt um überhaupt auch nur irgendeine Form von Aussage treffen zu können. Hat es diese nicht, so beginnen sich seine Argumente ab einem gewissen Punkt im Kreis zu drehen.


Was sind also, zumindest meiner Meinung nach, die Grundannahmen eines naturwissenschaftlichen Weltbildes?

Die erste Annahme ist die, dass wir in einer Welt leben, die nach bestimmten Gesetzen aufgebaut ist.
-Gäbe es diese Annahme nicht, wären wir nicht in der Lage auch nur irgendeine Form von allgemeiner Regel aufstellen zu können.

Die zweite Annahme ist, dass wir in der Lage sind diese Gesetze grundsätzlich erkennen zu können.
-Wissenschaft ist ein Erkenntnisprozess, ohne die Möglichkeit Gesetze erkennen zu können, können wir auch keine Wissenschaft betreiben.


Aus diesen beiden Annahmen folgern sich für mich alle weiteren Aussagen die die Naturwissenschaften über unsere Welt treffen und sie ergeben auch nur in diesem Kontext einen Sinn. Die Frage ob ich z.B. an die Evolutionstheorie „glaube“ stellt sich daher nicht, da sie mir in dem von mir dargestellten Kontext als das Erklärungsmodell erscheint, was am plausibelsten erscheint.
Die „Glaubensfrage“ stellt sich in der Wissenschaft nicht auf der Ebene einzelner Theorien, sondern auf einer übergeordneteren Ebene, nämlich der, ob ich überhaupt davon überzeugt bin, ob die wissenschaftliche Methodik verlässliche Aussagen über unsere Welt treffen kann. Und nach allem was ich bislang gesehen und mitbekommen habe, bin ich von diesem Punkt überzeugt.
Ob wir mithilfe der Naturwissenschaften alle Aspekte unsere Lebens beleuchten und erklären können, vermag ich nicht beantworten zu können. Leider wird es niemals *ping* machen und die Meldung erscheinen „Herzlichen Glückwunsch, sie haben alles auf der Welt erfahren was es zu erfahren gibt!“ Oder um es mit Gerhard Vollmer (1974) zu sagen:

"Der Grad der Übereinstimmung der von der theoretischen Erkenntnis rekonstruierten Welt mit der wirklichen Welt bleibt uns unbekannt, auch dann, wenn er vollkommen ist."


(aus: Vollmer G. (1975). Evolutionäre Erkenntnistheorie. Hirzel, Stuttgart, Leipzig. S. 137.)


Kommen wir nun zum letzten Punkt:


3. Was hat das ganze mit der Kreationismusdebatte zu tun?
Aus Annahme 1 folgt, dass sämtliche „Theorien“ die versuchen „wissenschaftlich“ das wirken Gottes in der Evolution oder bei der Entstehung der Welt belegen zu können, nicht zulässig sind, da sie einen logischen Kategorienfehler begehen und zudem auch noch die üblichen Kriterien einer wissenschaftliche Theorie verletzen. Gleichzeitig bedeutet dies jedoch auch, dass ein Naturwissenschaftler niemals in der Lage ist mit rein naturwissenschaftlichen Argumenten die Existenz eines allmächtigen Wesens bestätigen oder widerlegen zu können, da er den gleichen Kategorienfehler, nur von der anderen Seite aus, begehen würde.


Punkt 2 führt auf, dass das akzeptieren einer bestimmten wissenschaftlichen Theorie keine „Glaubensfrage“ ist, sie ergibt schlicht und ergreifend aus den Bedingungen die ein naturwissenschaftliches Weltbild mit sich bringt. Nicht an sie zu „glauben“ bedeutet daher, alle anderen wissenschaftlichen Erklärungsmodelle zum Aufbau der Welt infrage zu stellen, weil alle auf den gleichen Grundannahmen beruhen. Tue ich dies, verlasse ich den Raum in dem die Naturwissenschaft in der Lage ist verlässliche Aussagen zu treffen und falle daher wieder unter Punkt 1.


Für die Debatte mit dem Kreationismus bedeutet dies, dass keine der von dieser Bewegung dargebotenen Erklärungsmodelle wissenschaftlichen Kriterien entspricht und daher nicht auf wissenschaftlicher Ebene diskutiert werden kann. Es macht auch wenig Sinn in einer solchen Debatte mit bestimmten wissenschaftlichen Beweisen zu kommen, da diese im Rahmen dieser Debatte keinen Platz haben. Einer Person die grundsätzliche Zweifel an der Richtigkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse hat, kann ich nicht mit wissenschaftlichen Begründungen kommen um sie vom Gegenteil zu überzeugen.
Das einzige, was meiner Meinung nach ein vernünftiger Ansatz wäre, wäre aufzuzeigen, dass sich wissenschaftliche und metaphysische (also u.a. auch religiöse) Weltbilder im Grunde genommen nicht ins Gehege kommen. Beide gehen von vollständig unterschiedlichen Prämissen aus und es gibt daher auch keinen Grund für einen Konflikt. Konflikte zwischen Wissenschaft und Religion entstehen erst dann, wenn eine Seite versucht ins „Kompetenzfeld“ der anderen vorzudringen. Dies ist allerdings, wie ich aufgezeigt habe, logisch nicht zulässig.
Das ganze in einer reellen Debatte zu tun ist natürlich schwierig, weil die Ebene auf der man diskutieren muss eine philosophische ist und man zuvor im Grunde genommen eine große Anzahl an Aspekten und Grundannahmen erklären müsste, um dies auch vernünftig durchführen zu können.
Deshalb werden solche Debatten in der Realität auch äußerst selten auf diese Art und Weise geführt, zumindest habe ich noch nie einen solchen Austausch gesehen. Was ich stets sehe sind Personen die eigentlich ständig aneinander vorbeireden. Das hat vielleicht auch einfach damit zu tun, dass die Öffentlichkeit selbst eher ein Interesse an der Kontroverse und an möglichst heftigen Debatten hat und daher immer nur den Personen ein Forum gibt, die am lautesten schreien. Nur leider sind diese Personen häufig nicht die kompetentesten, wenn es um solche Fragen geht.


Das ist jedenfalls meine Meinung zu dem ganzen Thema. Ich denke man kann an der Länge des Posts erkennen, wie schwierig es mir fällt etwas zu der Sache zu schreiben. Wenn es nach mir ginge, müsste man überhaupt nichts zu diesem Thema sagen, weil sich diese ganzen Fragen im Grunde genommen gar nicht stellen sollten. Ich hoffe trotzdem, dass einige meiner Argumente dazu beitragen können, diese Diskussion in einem etwas besserem und vor allem, gelassenerem Licht zu betrachten.
Mich würde an dieser Stelle natürlich interessieren, wie andere Personen diese ganze Debatte sehen. Mir ist klar, dass ein solcher Post auch zu eher unangenehmen Debatten führen können, doch bin ich an dieser Stelle bereit das Risiko einzugehen.

28.09.2011

Wohin mit Australopithecus sediba?

Ich habe ziemlich lange überlegt, was genau ich mit Australopithecus sediba anfangen soll und wie ich das Fossil in dem Blog behandeln möchte. Letztendlich kam ich zu den Schluss, dass ich bei dem bleiben sollte, was ich im Moment ganz gut kann: Taxonomie. Ich musste für mein Studium in letzter Zeit ein paar Stammbäume rekonstruieren und habe dabei herausgefunden, wie man dies relativ einfach und ohne großen finanziellen Aufwand erledigen kann. Man bedient sich einfach an den Freewareprogrammen von Genetikern. Zwar sind diese nicht perfekt für morphologische Merkmale zugeschnitten und man muss eine Reihe von Sachen bedenken und bearbeiten (was alles genau erzähle ich ein anderes Mal), aber man kann sich relativ schnell einen Überblick über ein bestimmtes taxonomisches Problem verschaffen. Und genau dies habe ich mit Australopithecus sediba gemacht





Phylogenetischer Stammbaum (aus Strait et al., 1997) ohne Australopithecus sediba:



Strait et al. (1997)

Hier nun ein phylogenetischer Stammbaum der mit der gleichen Merkmalsmatrix erstellt wurde, nur dass ich noch Merkmale von Australopithecus sediba (aus Berger, 2010) eingefügt habe:




Gleiche Merkmale nur dieses Mal mit A. sediba.

Das zweite Bild spiegelt genau das wider, was für über die Position von Australopithecus sediba wissen. Was zuvor eine, zumindest im Stammbaum, schöne Auflösung der Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Gattung Homo war, ist nur zu einer hässlichen Multifurkation kollabiert, die aufzeigt, dass das Programm nicht in der Lage war, diese Äste vernünftig aufzulösen. Das Fossil hängt also irgendwo zwischen den frühsten Vertreter der Gattung Homo und Homo erectus/ergaster.
Die taxonomische Position von Homo habilis und Homo rudolfensis war schon immer nicht wirklich klar. Homo rudolfensis selbst ist aus dem Problem entstanden, dass die Fossilien die man alle zu Homo habilis zählte zu variabel waren, als das man sie guten Gewissens in eine einzige Spezies hätte packen können. Also wurde das „Hypodigma“ (Sammlung aller Fossilien die einer Spezies beschreibt) von Homo habilis in zwei Spezies aufgeteilt, ich werde jetzt allerdings nicht näher auf die einzelnen Merkmale eingehen, das würde einfach zu lange werde.

Um zurück zu Australopithecus sediba zu kommen, das Fossil bringt dieses ganze Problemfeld noch mehr durcheinander, da es, wie wir sehen konnten, sehr nah mit den frühsten Vertretern von Homo verwandt ist, aber auch weil es nur 1,9 Mio. Jahre alt ist.
Das ist deshalb problematisch, weil von Homo habilis und Homo rudolfensis Funde bekannt sind, die weit über 2 Mio. Jahre alt sind und von Homo ergaster/erectus gibt es Funde die nur einen Bruchteil jünger sind als die sediba Fossilien. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass man bereits bei 1,7 Mio. Jahren menschliche Fossilien in Georgien findet, kann man gut erkennen wie verworren diese ganze Geschichte ist.
Aber werfen wir doch mal einen Blick auf die einzelnen möglichen Verwandtschaftsbeziehungen die Australopithecus sediba und die Vertreter der Gattung Homo haben könnte.




A. sediba außerhalb der Gattung Homo


Hier würde Australopithecus sediba einen letzten gemeinsamen Vorfahren mit der Gattung Homo teilen. Das einzige Problem, was man hätte, wäre dass man die zu Homo habilis und Homo rudolfensis zählenden Fossilien die älter als 2 Mio. Jahre sind möglicherweise neu klassifizieren müsste.


Alle weiteren Alternativen ruinieren mehr oder weniger das, was wir bisher unter der Gattung Homo verstehen:





Mögliche Verwandtschaftsverhältnisse, wenn  A. sediba innerhalb der Gattung Homo läge (Auszüge).


Egal welche Hypothese wir betrachten, die Gattung Homo ist in keiner von diesen monophyletisch. Das bedeutet, das man entweder Australopithecus sediba in die Gattung Homo aufnehmen sollte, was schwierig werden könnte, weil es die Gattungsdefinition von Homo noch weiter aufweichen würde. Oder aber, das wir Homo habilis und Homo rudolfensis aus der Gattung Homo herausnehmen.
Ich persönlich weiß nicht wirklich was man machen sollte, ich denke es braucht weitere Untersuchungen und weitere Funde um dieses Problem besser lösen zu können. Was man jedoch sagen kann ist, dass die Entstehung der Gattung Homo aller Wahrscheinlichkeit nicht gradualistischer Natur war.
Vielmehr glaube ich, dass wir es hier mit einer Reihe von, möglicherweise unabhängig voneinander ablaufenden, Speziationsereignissen zu tun hatten. Dies würde erklären, warum in diesem Zeitraum so viele Formen auftreten, die sich zwar ähnlich sind, sich aber zeitlich und räumlich überschneiden und deren taxonomische Zugehörigkeit nicht eindeutig zu klären ist. Es gibt auch weitere Gründe die für diesen Gedanken sprechen, aber darüber werde ich beim nächsten Mal etwas schreiben.

 Literatur:
 

Berger, L., de Ruiter, D., Churchill, S., Schmid, P., Carlson, K., Dirks, P., Kibii, J. (2010). Australopithecus sediba: A New Species of Homo-Like Australopith from South Africa Science, 328 (5975), 195-204 DOI: 10.1126/science.1184944
Strait, D., Grine, F., Moniz, M. (1997). A reappraisal of early hominid phylogeny Journal of Human Evolution, 32 (1), 17-82 DOI: 10.1006/jhev.1996.0097

26.09.2011

Zurück aus Leipzig.

So, die Tagung ist vorbei und nach einer langen und sehr merkwürdigen Zugreise, zuerst gab es einen „Personenunfall“ auf der Strecke und dann hat noch jemand seinen Rucksack in einem Abteil vergessen (seit 10 Jahren scheint dies ja ein ganz schlimmes Problem zu sein), bin ich seit gestern Abend wieder Zuhause.




Es ist schwer genau zu sagen, was mir gefallen hat und was nicht, denn die ganze Tagung war für mich voller neuer Erfahrungen und Eindrücke. Was mich zuerst überrascht hat war, dass ich einfach zuwenig Ahnung von den Sachen über die dort gesprochen wurden hatte. Zugegeben, die Themen von denen ich etwas mehr Ahnung habe wurden lediglich angeschnitten, aber trotzdem habe ich im Vorfeld schon gedacht, dass ich etwas aktiver sein könnte. Dann habe ich mir allerdings auch Gedanken darüber gemacht, wer sonst noch so auf der Tagung herumläuft und abgesehen von mir und einem meiner Komolitonen waren, soweit ich weiß kein anderen Studenten auf dieser Tagung. Alle Personen dort waren entweder Doktoranden oder bereits voll ausgebildete Wissenschaftler.
Zu realisieren, dass das Niveau auf dieser Tagung zu großen Teilen einfach zu hoch für mich war um wirklich kompetent auftreten zu können, hat mich bis zum Ende des Freitags beschäftigt. Den Samstag habe ich mich dann vollkommen damit zufriedengegeben einfach nur zuzuhören und soviel neue Informationen aufzunehmen wie ich kann.
Zwar ist die Tagung selbst nicht ganz so gelaufen, wie ich es erwartet habe, doch war es doch eine Erfahrung die ich als enorm wichtig ansehe. Ich habe gesehen, was mich alles noch erwartet, wenn ich den Weg auf dem ich Moment bin weitergehe, ich habe gesehen, was ich noch alles lernen muss um ein wirkliches Verständnis über mein Fach zu gewinnen und was ich aber auch gemerkt habe, war dass ich all diese Sachen wirklich machen will.
Die Tage in Leipzig selbst waren zwar enorm anstrengend, aber ich fühle mich trotzdem irgendwie erholt und richtig motiviert jetzt an meinen Sachen weiterzuarbeiten, damit ich im nächsten Jahr vielleicht selber etwas vorzuweisen habe.
Für die nächsten Wochen habe vor ein paar Dinge hier zu schreiben die ich in Leipzig aufgeschnappt habe, und dann ist da immer noch dieses Ding über australopithecus sediba das ich schreiben wollte und was hoffentlich im Laufe dieser Woche auch kommen wird.
Zum Schluss möchte ich mich an dieser Stelle noch bei Anna Barros und Tracy Kivell bedanken, die während der Postersession am Freitag Abend so nett waren und eine Reihe meiner Fragen beantwortet haben und die Geduld hatten einige meiner etwas merkwürdigeren Ideen anzuhören.

23.09.2011

Eric in Leipzig: Lektionen vom ersten Tag

Tagungen sind, vor allem wenn man noch ein armer, dummer Student ist, vor allem zum lernen da. Folgende Dinge habe ich gestern gelernt:

Lektion 1: Nicht zu geizig sein.
Lieber nochmal 12,50€ für ein schäbiges Bett in einem Achtbettzimmer bezahlen, als die Nacht damit zu verbringen in irgendwelchen Zügen herumzufahren. Ich tat letzteres und hatte daher in der Nacht auf Donnerstag nur eine ganze Stunde Schlaf gehabt, maximal. Dasführt mich gleich zu Lektion 2.


Lektion 2: Niemals mit Schlafmangel einen Kurs über geometrische Morphometrie besuchen.
 Ich glaube, der Kurs war eigentlich ganz interessant und an ein paar Dinge kann ich mich sogar noch erinnern, aber einen großteil der Dinge die gesagt wurden habe ich bereits nach fünf minuten wieder vergessen.

Lektion 3: Mehr Englisch sprechen.
 Ich meine mir einbilden zu können, dass ich Englisch ziemlich gut verstehe, sei es nun gesprochen oder geschrieben. Ich meine sogar sagen zu können, dass ich mich schriftlich relativ gut  auf Englisch verständlich machen kann. Aber sprechen kann ich diese Sprache absolut gar nicht. Das macht das ganze etwas schwierig, wenn man versuchen will irgendwelche klugen Fragen zu stellen und dabei immer einen Brechreiz ob seiner eigenen schlechten Aussprache bekommt.

Dies alles habe ich gestern gelernt, natürlich habe ich auch ein paar anthropologische Sachen gelernt (nichts davon hat allerdings direkt mit der Tagung zu tun), aber das tue ich ja ohnehin ständig.

Ich bin mal gespannt was der heutige Tag so bringen wird.


20.09.2011

Sediba Post: Statusbericht

Ich habe ja gesagt das ich etwas über Australopithecus sediba schreiben wollte und das habe ich immer noch vor. Das Fossil ist wirklich interessant und es ist ein wunderbares Objekt um auch wieder ein paar grundsätzlichere Dinge beschreiben zu können. Dummerweise gibt es zwei Sachen, die mich bislang davon abgehalten haben, etwas zu schreiben:

1. Die Zeit.
Mein Studium hatte mich in den letzten zwei Wochen ziemlich fest im Griff,weshalb ich noch nicht dazu gekommen sehr viel mehr zu machen, als mir die Artikel durchzulesen.

2. Mein Kopf.
Zu allem Überfluss habe ich am Sonntag eine gute Idee bekommen, wofür ich das Fossil noch benutzen könnte. Es gibt da nämlich etwas, was ich schon länger demonstrieren wollte und die sediba Artikel bieten mir das perfekte Demonstrationsobjekt. Allerdings wird es eine Weile dauern, den Post zu schreiben, weil ich eine Reihe von Dingen vorbereiten muss.

Zu allem Überfluss werde ich morgen Abend nach Leipzig aufbrechen, wo ich mir bis Sonntag das Vergnügen gönne auf einer Tagung herumzuspazieren. Rechnet daher nicht damit, dass vor nächster Woche noch irgendetwas sediba-mäßiges kommt. Es ist allerdings möglich, dass ich etwas über die Tagung schreiben werden, falls mir etwas interessantes auffällt.

Wer ein paar weitere Informationen zu Australopithecus sediba sucht und des Englischen mächtig ist, dem kann ich nur diesen Post auf "Lawn Chair Anthropology" empfehlen.

11.09.2011

Australopithecus sediba: Interessante Interviews

Ich hatte noch keine Zeit tiefer in die Artikel zu schauen, habe aber vor dies morgen zu tun. Für Leute die allerdings nicht warten können, gibt es hier zwei Interviews die ganz interessant sind und zudem mit Personen geführt wurden, die wesentlich kompetenter als ich sind.




Science Podcast mit Lee Berger: Hier


Interview mit Lee Berger und Bernard Wood: Dort

09.09.2011

Das Sommerloch ist vorbei!

(Naja zumindest ein wenig.)

Die Dinge laufen machmal doch etwas merkwürdig. Da bin ich mit dieser furchtbaren Arbeit, die mittlerweile zum Glück nicht mehr ganz so furchtbar ist, die mich seit fast einem Jahr beschäftigt, fast fertig. Was bedeutet, dass ich diesem Blog hier wieder die Aufmerksamkeit geben kann die er verdient und schon scheint es sofort interessante Nachrichten zu geben.
Gestern ist in Science einer ganzer Stoß Artikel zu Australopithecus sediba, einem Hominidenfossil was im letzten Jahr entdeckt wurde (und dessen Entdeckung ich damals hier gepflegt ignoriert habe) erschienen. Diese Artikel gehen vor allem sehr detailliert auf die Morphologie des Fossils ein. Ich habe bislgang noch nicht die Zeit gehabt mich tiefer in die Texte einzuarbeiten, werde dies aber im Laufe der nächsten Tage tun und darüber berichten.

Da ich außedem wieder etwas mehr Zeit zur Verfügung habe als in den letzten Monaten, wird es außerdem noch ein paar andere Dinge geben über die ich schreiben möchte, was so viel bedeutet, dass mindestens noch ein weiterer Post kommen wird.